Montag, 5. Januar 2026

Ieschure: The Shadow


Künstler: Ieschure
Titel: The Shadow
Format: CD
Label: Misantropia Records
Jahr der Veröffentlichung: 2024 (Re-Release, Erstveröffentlichung 1. Dezember 2017) 
Genre: Black Metal
Empfohlenes Hörsetting: Ungestört in der Dunkelheit
Links: Ieschure @ Bandcamp


Draußen liegt Schnee und es ist still. Sehr still. Ein ideales Setting, eine Review zu Ieschures The Shadow zu schreiben. Zu meiner großen Schande musste ich erkennen, dass die Aufnahmen darauf bereits an die 10 Jahre alt sind. Ein wenig hatte ich überlegt, nun hier dafür Abbitte zu leisten, dieses Album so lange einfach verpasst zu haben. Aber da ich hier sitze und die Review schreibe, erscheint es mir hingegen eher wie gewollt von einem mysteriösen, fremden, dunklen Schicksale.

The Shadow war für mich eine Zufallsentdeckung. In irgendeiner Playlist stieß ich auf "Mystic Schizophrenia" und war von dieser Rohheit und Dunkelheit, diesem glimmenden Hass, der aus der Musik dringt, unglaublich begeistert. Um es klarzustellen: ein Hass, der scharf ist wie das Messer, das man dem alten, bösen Feind in die triefenden Innereien hineinstößt, nach langer Kerkerhaft, um frei zu sein. Man verzeihe den Pathos.
Mir war nach kurzer Zeit klar, dass ich das entsprechende Album haben musste, und nach einigen Durchhörern am Stück wiederum war mir klar, dass ich darüber etwas schreiben musste.

Sowohl die Musik als auch die Texte haben das geschafft, was in einer Welt des Überangebots an Musik und anderen Eindrücken wirklich nicht oft gelingt, nämlich, dass bestimmte Türen in meinem Inneren aufgehen, dass ich das Gefühl hatte, dass dort zwischen den Tönen und Worten etwas passiert, und das meine Sprache gesprochen wird und vieles heimkehren darf. Ich denke, ich kann schon jetzt sagen, dass The Shadow eins der Alben für 2026 bei mir sein wird. 10 Jahre zu spät, wie gesagt, für mich jedoch eine Begegnung zur gerade rechten Zeit.

Nach so viel persönlichen Ergießungen nun zu den Basics des Werks: Geboten wird schnörkelloser Black Metal im alten Stil, kein Post- oder unnötig Ambiente. Raue, knochentrockene Schwarzmetallmühle mit Keifgesang aus den Abgründen der Nacht, ab und zu auch Klargesang, sehr bewusst eingesetzt, dieser, und wirklich stimmig. Beides dargeboten von Lilita Arndt, der Frau hinter dem Projekt.

Textlich ordnet mancher Reviewer es unter "Occult" ein, ich bin da aber nicht ganz sicher. Ich finde in Lilita Arndts Texten eine sonderbare und brutale Melancholie wieder und einen sehr majestätischen Schatten. Teilweise scheint mir das Englisch zwar nicht ganz korrekt zu sein, aber das tut dem Gesamtwerk keinen Abbruch und es ist mir auf eine Art tausendmal lieber, als blankpoliertes Übersetzerisch. 
Überhaupt, da wir beim Stichwort sind, blankpoliert ist hier so ziemlich nichts, das Album ist direkt, rätselhaft, brutal und unglaublich schön und wird mir noch lange nachgehen.


She’s coming with the dark
She’s coming with the sun,
She’s waiting at the Gates of Disillusion.

Oh my name is swept away from this world.
I am dying,
I’m falling down,
I’m giving up
I am fading away 

(Ieschure: Condemned To Death)


- Anfauglith

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