The Devil Aspect wurde mir empfohlen, als ich im Gespräch die Suche nach einem Buch erwähnte, das die mysteriöse und leicht bedrohliche Atmosphäre von Club Dumas (bzw. der Verfilmung als Die Neun Pforten) und vielleicht einen Hauch des Schreckens des Films Malastrana von 1971 (Jürgen Drews mit kurzem Camo-Auftritt als Straßenmusiker... wobei das nicht der Schrecken ist, von dem ich rede. Das wäre aber eine eigene Review wert.) besitzt.
Nun habe ich es pünktlich zum Ende des Jahres ausgelesen und hier wäre nun mein Verdikt.
The Devil Aspect ist definitiv kein schlechtes Buch und ich muss gestehen, dass es Phasen gab, wo ich es nicht erwarten konnte, weiterzulesen. Die Geschichte ist handwerklich nicht schlecht gemacht und mir hat das Setting der Tschechoslowakei von 1936 recht gut gefallen.
Nun sind wir aber bei den Punkten, die dazu geführt haben, dass ich abschließend feststellen muss, dass das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen konnte und mich widersinnigerweise sogar enttäuscht hat.
Während Russell ein gutes Grundthema, nämlich die Frage des Wesens und der Herkunft des Bösen, hat, aus dem man viel Spannung und Tiefgang ziehen könnte, verzettelt sich der Autor meiner Meinung nach in zu vielen Ideen, die einzeln ausgearbeitet gut funktionieren könnten, zusammen aber leider nur Fragezeichen hinterlassen.
Was genau soll die Fixierung auf die slawische Mythologie und deren vermeintlich dunklen Charakter? Wieso wird der Kriminalfall um Jack the Ripper in die Geschichte hineinbemüht? Warum tritt der Höllenfürst/Personifikation des Bösen/Was auch immer als "Mr. Hobbs" auf? (Ich habe sogar die Suchmaschine bemüht, ob sich dahinter eine Anspielung verbirgt. Konnte aber nichts ausfindig machen)
Abschnittsweise hatte ich fast den Eindruck, Russell hätte sich ein wenig durch die Geschichte durchassoziiert oder manche Sache wie den "Ripper" und die slawischen Götter eher ein bisschen als Material für Namedropping verwendet.
Die teilweise in Besprechungen verwendete Bezeichnung als "Gothic Novel" wegen des Burgpsychiatriesettings kann ich so auch nicht teilen. Diese Verwendung des (wissenschaftlich meiner Kenntnis nach eher fragwürdigen) Konzepts von "gespaltenen Persönlichkeiten", Zitate von Jung, Freud & Co. wirkten auf mich manchmal bemüht, so wie manches kleine historische Detail in der Story auf mich eher erfunden wirkte bzw. eben einfach auch tatsächlich geschichtlich falsch ist.
Was mich jedoch fast amüsiert, ist, wie sich das Böse (TM) in der Geschichte komischerweise fast niedlich im Serienkiller und Bluttäter abreagiert, während, was der Autor teilweise (weil ihm wahrscheinlich die Ironie auch selbst bewusst war) auch in Dialogen einbaut, am geschichtlichen Horizont da schon ein Böses aufzieht, welches Jack the Ripper und medienwirksame Schlächter aus diversen True-Crime-Podcasts beinahe niedlich erscheinen lässt.
Nun denn, mein Fazit ist, dass es sich bei dem Buch um trotz aller Kritik um ganz ordentliche Unterhaltungsliteratur handelt, die fesseln kann, aber nicht muss.
- Anfauglith

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