Donnerstag, 12. Juni 2025

Der dunkle Gott

 
Ein Wetter steigt herauf, aus Blutgewölk und Rosendorn
Er thront darüber, hoch in eiseskalter Majestät
Ein Kelch voll Winden, Nelkenbluts und Hagelkorn
Mit Rauch und und Klang und Stürmen hin zu einem Gastmahl läd.

Zwei Götterbrüder, ähnlich sich, doch ewig feind
Sie werfen Flammen in die myrrheschwang're Nacht
Da werden sie durch eines roten Mondes Bahn vereint
Und wiederum dem Einen als ein Opfer dargebracht.




Gestürzt der dunkle Gott von seinem Thron
Des Mondes kaltes Reich strahlt hoch im Licht
Aus taubem Erdreich steigt empor des Gottes Sohn
Und welke Rosen ziehr'n sein junges Angesicht.

Dämmerfahl geöffnet ist des Lichtreichs Tor
Die Zinnen jener Burg steh'n stumm und leer
Gebückt nun tritt der dunkle Gott hervor
Und stürzt sich nieder in ein totes, kaltes Meer.






- Anfauglith

Montag, 9. Juni 2025

Balberskult: Sarnath And Other Horrifying Tales



Künstler:                             Balberskult
Titel:                                    Sarnath And Other Horrifying Tales
Format:                               Tape
Label:                                  Auseil Records
Jahr des Erscheines:          2023
Herkunft:                            Kulmbach, Oberfranken
Genre/Stil:                           Raw Lovecraftian Black Metal
Empfohlenes Hörsetting:   In absoluter Finsternis sitzend mit einem Bier zur Hand


Vor einiger Zeit landete dieses Tape zusammen mit weiteren Preziosen aus dem Tempel des Balberskultes auf meinem Tisch, und es ist mir hiermit eine große Freude, über das Tape zu schreiben.

Balberskult spielen eine Art rohen und sehr ursprünglichen Black Metal (ursprünglich klingt ein wenig nach Tafelwasser, mit solchem hat dieser hochprozentige Qualitätslärm aber wenig zu tun.), wobei sie (ich wiederhole mich: zu meiner großen Freude!) sich von der Welt des Howard Phillips Lovecraft und fungalen Wesenheiten inspirieren lassen und auch ansonsten musikalisch kein Feigenblatt gelten lassen. 
Geboten wird Black Metal ohne Weichzeichner und Filter in der Schule von Darkthrone etc., wobei hier ein spezieller bärbeißiger Wahnsinn zum Tragen kommt, den ich (man verzeihe mir, wenn ich nun vollkommen daneben gegriffen habe) ähnlich bei den ebenfalls aus Oberfranken stammenden Schattenvald zu erkennen glaubte.
Ich weiß nicht, darf man Black Metal auf so eine komische Art auch lustig finden? Ich jedenfalls lache innerlich sehr trocken über die Art, wie eben manche Stilvorliebe und geschmackspolizeiliche Trendvorgabe einfach mit dem Panzer überrollt wird und alles untergeht in einer Welt aus urzeitlichem Grauen und dem Blut nie zu nennender Wesenheiten...! 

Zusammengefasst sind Balberskult für mich der perfekte Soundtrack für rohe Extasen, deren Echos bis in die Berge des Wahnsinns widerhallen!


Tracklist:


1. Intro
2. River
3. Sarnath
4. Skull of the Carnivore
5. Aeons
6. Stadt ohne Namen
7. Rise of Azatoth
8. Skull of the Carnivore (live)
9. River (live)
10. Weberknecht (live)
11. Sarnath (live)
12. Stadt ohne Namen (live)
13. Hexengrund (live)
14. Schwarzä Deich (live)
15. Black Metal Terrorists (live)

Anspieltipp: Skull of the Carnivore
Link: Balberskult bei Bandcamp

 

  

 

- Anfauglith


Memento homo quia ex pulvere es...

 

 Memento homo quia ex pulvere es et in pulvere reverteris.

 





(Regensburg, Basilika Sankt Emmeram, Fotos: Anfauglith)

Dienstag, 3. Juni 2025

Die Stadt der Insektenmenschen

Niemand weiß genau, wann sie gebaut wurde.
Die Stadt der Insektenmenschen liegt unter einem einfarbigen Einweghimmel. Die Stadt und ihre Gebäude sind praktische Wegwerfartikel in eintönigen Farben. Die Sonne darüber ist aus Styropor. Fällt Regen über der Stadt, zerfallen die würfelförmigen Gebäude, um in kürzester Zeit neu erbaut zu werden. Macht nichts, sagen die Insektenmenschen, zucken mit der Schulter, und vergessen.

Die Insektenmenschen sind sehr gut im Vergessen. Wenn jemand stirbt, trauert man kurz, bis sich schließlich ein taubes Gefühl einstellt, als ob etwas gewesen sein könnte. Doch dann vergisst man und macht weiter, unter der Styroporsonne, zwischen den würfelförmigen Häusern, den endlosen Straßen, unter dem Einweghimmel.

Die Insektenmenschen lieben ihre Freiheit. Freiheit, das haben sie irgendwo gelernt, ist zu tun, was man will. Und was man will, das ist klar: fressen, fortpflanzen, noch mehr fressen, sich locken lassen von Duftstoffen und Pheromonen, und dann vergessen. Die Insektenmenschen fressen sich gegenseitig auf. Alles, was an irgendetwas erinnert. Ihre größte Lust ist, den Pheromonspuren und Duftwolken zu folgen. Sie denken in Farben und Zahlen. Die, die nicht in Zahlen und Farben denken wollten, wurden lange schon gefressen und zerrissen. Ihren Tod beweint niemand, nicht einmal der Regen.

Die Religion der Insektenmenschen ist einfach. Sie beten zu einem großen Bildschirm, der ihnen erklärt, sie hätten dies oder jenes geträumt. Der ihnen erklärt, sie hätten dies oder jenes gewollt. Und wer weiß, vielleicht hatten sie das auch. Wer weiß, sagen die Insektenmenschen, zucken mit der Schulter und fressen und pflanzen sich fort.

Die Insektenmenschen sind viele. Und es werden ständig mehr. So viele, dass es kaum stört, wenn manche zerquetscht werden - vom Einweghimmel, von Bleischuhen, oder von der Last schwerer Träume.


- Anfauglith

Montag, 2. Juni 2025

Zugänge in der Kammer



 

Neuzugang in meiner Kammer: Shirt, Button, Aufnäher und Tape der oberfränkischen Kultisten von Balberskult. Absolut cooles Zeug (Musik sowie das textile und knöpfliche Beiwerk!)!
Besprechung und nähere Worte dazu eventuell bei Gelegenheit!

 

 - Anfauglith