Freitag, 9. Mai 2025

1899

 In Seriengewittern. Oder so. Nachdem ich in letzter Zeit einige teilweise ziemlich gute Serien im Bereich Thriller, Horror, wie auch immer, gesehen hatte (das letzte Machwerk, das mir, anders als scheinbar einigen Betrachtern, ganz gut gefallen hatte, war "Die Glaskuppel"), war ich ermutigt, weiter in diesem Bereich zu forschen und zu wildern, denn "was kostet die Welt", und dazu ist Urlaub auch mal da.

So stolperte ich über 1899. 1899 scheint von den oder dem Machern von Dark zu stammen. Mehr Hintergrund dazu mag der Leser selbst recherchieren, da ich es nicht als meine Aufgabe verstehe, journalistische Informationen zu liefern, sondern eher meine Gedanken als die eines eventuell mit ein bisschen Vorerfahrungen geschädigten Zuschauers zu teilen.

So, was machen wir nun aus diesem 1899?
1899 liefert optisch einiges. Was mir sehr gefallen hat, ist diese seltsam-düstere Seeästhetik. Das schwarze, verlassene Schiff: Die Prometheus. Nebel. Dieses endlose, finstere Meer. Das ist für mich Stoff, aus dem grandiose Alpträume sind oder sein könnten. Bei mir als Zuschauer steigen Hoffnungen, etwas von The Fog geliefert zu bekommen. Oder einen Anklang an z. B. Seegeschichten des William Hope Hodgson. Etwas in mir hofft auf den Ruf: "Dieses Schiff braucht Blut...!".

Nun, zumindest was das angeht, wurde ich enttäuscht. Es wimmelt von schlechtgelaunten und unsympathsichen Charakteren, die allesamt von einer Art Dauerkater nach dem schlimmsten Matrosenfusel betroffen zu sein scheinen. Zusätzlich setzt sich bei mir der Eindruck fest, dass auf ungut-penetrante Weise das Thema Sexualität und Dominanz ein wichtiger Baustein vielleicht nicht der Handlung, aber des Settings, ist.

Ansonsten kommt es mir stellenweise vor, als hätte der Autor irgendwie eine Art Fortsetzung von Dark auf See gedreht. Es erscheint wieder eine Fülle rätselhafter Symbole und surrealistischer Schrecken, die auf die Figuren lauern. Mein Eindruck ist (und das ist auf so eine Weise ziemlich cool.), als wäre der Macher besessen davon, etwas zu sagen, was in Worten überhaupt nicht zu sagen ist. Eine unverständliche Metapher, die etwas andeutet, was noch viel unverständlicher und grauenvoller ist. Das Thema (Symbole. Eingänge. Morbide Katerstimmung.) scheint diesen Menschen auch nach Dark noch zu beschäftigen. Was mich an eine Zeile aus einem Lieder der Legendary Pink Dots denken lässt: "Tried polite conversation in Braille.". Aber die Menschen verstehen kein Braille. Aber nochmal: ansich wahnsinnig cool.

Ich würde 1899 gerne einfach abbrechen, um dieser apokalyptischen Katerstimmung zu entgehen, und stattdessen etwas anderes anschauen. Allein, so leicht ist es nicht. Meine Seele wird scheinbar eingesogen von dieser Schwarzalchemie auf Fusel.

Sie erwarten jetzt ein Urteil von mir? Bedaure, ich muss es verweigern.


- Anfauglith

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