Dienstag, 27. Januar 2026

Wo der Mensch zerbricht

 Die Alten glaubten, dass jeder Ort und jedes Haus von speziellen Geistern, Wichten und Wesen bewohnt war. Diese waren die Seele des Ortes. Seine Wächter. Die, die schon immer da waren. Man war gut beraten, sich mit diesen Geistern gutzustellen, damit man selbst ein friedliches Leben am Ort haben konnte und nicht den Zorn seiner Geister auf sich zu ziehen.

Es gibt Orte, die irgendwann an der Schwelle zur Vergangenheit stehen. Das brachte mich dazu, dann und wann über die Geister diesese Ortes nachzudenken. Von welcher Art diese Zeit hier gewesen ist.

Ich erinnere mich an Türenschlagen, Gram, Kummer. An übles Reden. An lange Nächte im Herbst und Winter. Dazwischen Sonnenaufgang, droben über dem Wald. Abschied, Krankheit, Verlust, sogar Tod.
Die Wichte schwiegen dazu. Ihnen war's gleich. Sie störten mich nicht in meinem Dasein. All das Übel kam vom Menschen her. All die Last. Die Beleidigung. Der Frevel. Gleichgültig schienen die Geister des Ortes. Sie schwiegen, während der Mensch ganze Welten zu Scherben zertrat. Deckten alles in ihr Schweigen, das groß und sanft war, wie der Wald im Winter, unter einer Schneedecke, beträufelt von Sonnenglanz.


- Anfauglith

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