Künstler: Lore Liege
Titel: That Which Was Lost
Format: Digital
Jahr des Erscheines: 3. Juli 2021
Herkunft: USA
Genre/Stil: Depressive Black Metal / Raw Black Metal
Empfohlenes Hörsetting: Einsamer Winterspaziergang
Links: Lore Liege @ Linktree
Wieder ist sie da, diese eine Zeit des Jahres. Die Zeit von, nein, nicht Glocken und Glühweinrausch, sondern die Zeit dieser schönen Winterspaziergänge durch karge Lande, möglichst ohne störendes Menscheln, durch Regen und unter toten Bäumen.
Wenn man hierzu einen Soundtrack möchte, bitteschön, hier wäre er!
Ich kann nun gerade nicht mehr genau nachvollziehen, wie ich auf Lore Liege gestoßen bin, aber ich bin froh, dass es passiert ist.
Hinter dem Projekt steht eine Person, die sich "Galrög the Imperial Lore Liege" nennt und scheinbar verantwortlich für alle musikalischen Details zeichnet.
Soundtechnisch gibt es schnörkellosen, im mittleren Tempobereich angesiedelten Schwarzmetall mit teilweise homöopathischen Anklängen an Doom. Was ich wirklich mag, ist diese anständige Portion Dreck im Sound. Der Gesang ist ein kehliges Kreischen, die Riffs hypnotisch und wiederholend und das ganze Klangerlebnis erweckt eine Szenerie von Niedergang, Verfall, Verlust und Einsamkeit vor meinem inneren Auge. Wenn jemand unbedingt Vergleiche möchte, nun gut, man kann teilweise klangliche Nähe zu einem gewissen umstrittenen norwegischen Grafen aus den 90ern nicht abstreiten, aber ehrlich, ich möchte es dabei belassen, weil salopp gesagt ja alles irgendwie nach irgendetwas klingt, auch, weil Musik sich eben aus 12 Tönen bildet, und so sind Wiederholungen auf beinahe philosophische Weise irgendwann zwingend.
Textlich finde ich das Werk auch gut gemacht. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass ich wirklich immer verstehe, was der Herr Galrög da meint, aber das ist ja auch das Tolle an Literatur, dass es eben kein Kochbuch ist, sondern Raum für Spekulation, Interpretation, Irrtum und Doppeldeutigkeiten gibt.
Die Lyrics sind auf so eine schöne Weise minimal und schlicht. Wieder vor meinem inneren Auge diese innere Winterlandschaft des Verfalls, der Kälte, der Wut, aber irgendwie auch eines offenen Endes, wenngleich das keinen zwingenden Trost impliziert. Das schöne am offenen Ende ist ja tatsächlich die Offenheit, nicht die schnelle Auflösung.
Anyway, das soll jetzt auch nicht in ein Proseminar Literatur ausarten. Jeder möge sich selbst ein Bild machen
Das Album endet wie es beginnt, mit einer kurzen Soundcollage, die den Hörer in seiner eigenen Winterlandschaft der Seele zurücklässt.
- Anfauglith

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